Die Frage, die alles verändert hat

Was ist Erwachen?

Unabhängig von Zeit und Raum finde ich diese Frage schwierig zu beantworten. Ich kann auf den Moment verweisen, in dem sich für mich alles änderte. Und das war wegen einer Frage.

Vor ein paar Sommern wollte ich den Minderwertigkeitskomplex loswerden, den ich seit meiner Jugend mit mir herumtrug. Ich wusste nicht, wie ich es anstellen sollte, aber ich hatte das Gefühl, dass ich nach Kreta gehen musste. Ich buchte ein Ticket und zwei Wochen später stieg ich allein mit einem kleinen Rucksack als einzigem Gepäck in das Flugzeug.

Am Flughafen von Kreta nahm ich den Bus zur Südküste und buchte auf dem Weg dorthin mein erstes Ziel: Eine kleine weiße Wohnung an einem abgelegenen Strand. Der Busfahrer war überrascht, als ich aus dem Bus ausstieg, aber ich war fest entschlossen, das letzte Stück auf einem schmalen Bergpfad entlang der Küste zu laufen. Völlig verschwitzt kam ich zwei Stunden später in der Wohnung an. Das Gebäude war genauso, wie ich es erwartet hatte: Weiße, abblätternde Wände und verwitterte, blau gestrichene Holzläden vor den Fenstern.

Ich war der einzige Gast und hatte von meinem Zimmer freien Blick auf den Strand und das Meer. Die dünne Matratze war unbequem, die Taverne war nichts Besonderes, doch der griechische Salat schmeckte jeden Tag himmlisch. Die Sonne in den Tomaten, das Weißbrot und das lokale Olivenöl dienten meinem Körper als Energiequelle.

Ich genoss lange Spaziergänge entlang der zerklüfteten Küste und den wunderschönen Sternenhimmel, den ich nirgendwo so klar und deutlich gesehen hatte. Das magische Wasser lud mich vollständig auf und die Wärme der Sonne drang tief in meine Knochen ein. Jeden Tag verflüchtigte sich die feuchte niederländische Kälte ein wenig mehr aus meinem Körper.

Nachdem ich am Abend eine dicke Schicht Aftersun aufgetragen hatte, betrachtete ich mich bewundernd im Spiegel. Das kleine Badezimmer war nicht mehr als eine Toilette mit einem Duschschlauch. Ich fühlte mich sehr glücklich. Ich hatte den Eindruck, dass ich noch nie so schön und so braun gebrannt war.

Nach einer Woche der Isolation war es an der Zeit, wieder unter Menschen zu gehen. Ich packte meinen Rucksack, ging zum nahegelegenen Strand und nahm das Boot zurück in die Zivilisation.

Als ich den Weg zu meinem neuen Wohnort hinaufging, wusste ich noch nicht, dass ich meinen Rückflug zweimal umbuchen würde. Anstelle von zwei Tagen blieb ich drei Wochen lang dort. Es wurde mein zweites Zuhause und der Ort, an dem ich mein wahres Zuhause wiederfand, nach dem ich mich jahrelang gesehnt hatte.

Von der Pubertät an fühlte ich mich nirgendwo und bei niemandem zu Hause, schon gar nicht bei mir selbst. Ich hasste mein Aussehen und hielt mich für weniger wertvoll als andere Menschen. Mir war nicht klar, dass diese schädlichen Überzeugungen durch ständige Wiederholung zu einem Programm geworden waren. 

Und doch hörte ich im Hintergrund ein Flüstern, das mich tröstete und mir sagte, dass ich ein besonderes und großartiges Wesen bin. Weil diese beiden Klänge so unterschiedlich waren, kämpfte ich ständig mit mir selbst bis zur Erschöpfung.

Und dann war da noch Hans mit seinem gewinnenden Lächeln und seiner Aufmerksamkeit für jeden. Auch für mich. Mit einer Käseplatte in der einen und einer Flasche Raki in der anderen Hand fragte er mich: “Claudia, wie kommst du darauf, dass du nicht gut aussiehst? Wer sagt das? Und was hältst du davon?”

Ich dachte, er wollte nur nett sein und mir nicht die Wahrheit sagen. Trotz der kognitiven Dissonanz spürte ich seine Integrität und sein echtes Interesse. Zum ersten Mal wagte ich es, offen über meine Überzeugungen zu sprechen und mich zu fragen, ob sie mir noch dienten.

Nach einem Kurzschluss in meinem Gehirn wurde eine neue Identität in mir geboren. Ich habe endlich angefangen, auf meine innere Stimme zu hören, der ich wegen all der Ablenkungen nie Raum gegeben hatte.

Diesen neuentdeckten Teil in mir nannte ich “mein Selbst”. Und dieses “neue Ich” hatte beschlossen, das Leben zu feiern! In diesem Urlaub lernte ich mich selbst kennen und alles änderte sich.

Efcharistó agapitoí adelfoí kai adelfés.

übersetzt bei Elisabeth Slinkman

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